Inhalt

Medikamente im Überblick

"Zähne zusammenbeißen und durch" - solche Parolen sind längst überholt. Heutzutage sind sich Experten einig, dass Schmerzen so früh wie möglich behandelt werden müssen. Nur so kann man vermeiden, dass sich eine chronische Schmerzkrankheit entwickelt.

Auch bei neuropathischen Schmerzen gilt: So früh und effektiv wie möglich therapieren. Das ist besonders bei solchen Schmerzen wichtig, die bereits in der Anfangsphase gut behandelt werden können, z. B. bei der Gürtelrose oder zur Prophylaxe von Phantomschmerzen. Dabei stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die häufig auch kombiniert werden.

Welche Medikamente wirken bei neuropathischen Schmerzen?

Bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen gibt es einige Besonderheiten. Die üblichen, so genannten einfachen Schmerzmittel sind nämlich zur Therapie meist nicht geeignet. Dagegen hat man festgestellt, dass bei neuropathischen Schmerzen in erster Linie Präparate helfen, die ursprünglich zur Behandlung von epileptischen Anfällen und depressiven Erkrankungen entwickelt. Diese Medikamente werden auch als Antiepileptika/Antikonvulsiva und Antidepressiva bezeichnet.

Antiepileptika/Antikonvulsiva

Manche Antiepileptika bzw. Antikonvulsiva haben sich seit langem in der Therapie neuropathischer Schmerzen bewährt. Ursprünglich wurden sie zur Behandlung von epileptischen Anfällen entwickelt. Einige neuere Präparate wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern auch schlaffördernd und angstlösend – und sind dabei sehr gut verträglich.
[weiter ...]

Antidepressiva

So genannte Antidepressiva werden von den Schmerztherapeuten deswegen gerne bei Nervenschmerzen eingesetzt, weil sie neben der stimmungsaufhellenden Wirkung einen eigenen schmerzlindernden Zusatzeffekt besitzen. Der schmerzlindernde Effekt von Antidepressiva kommt schon bei geringeren Dosierungen als in der Therapie von Depressionen zum Tragen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie davon nur sehr geringe Mengen einnehmen sollen.

Opioide

Opioide sind starke Schmerzmittel, die sich vom Morphin ableiten. Sie werden hauptsächlich bei starken und stärksten Schmerzen eingesetzt, zum Beispiel nach einer Operation oder bei Krebserkrankungen. In manchen Fällen sind sie auch bei neuropathischen Schmerzen hilfreich. Eine Untergruppe von Patienten mit neuropathischen Schmerzen spricht gut auf die Therapie mit Opioiden an.

Viele Menschen befürchten, sie könnten süchtig werden, wenn sie Opioide gegen ihre Schmerzen einnehmen. Heute weiß man aber, dass Opioide, die unter ärztlicher Aufsicht nach einem genauen Medikamentenplan eingenommen werden, kaum psychische Suchterkrankungen hervorrufen. Weitere Informationen zur Behandlung mit Opioiden finden Sie in unserem Schmerzdienst www.informationen-zu-schmerzen.de.

Lokale Behandlung und Nervenblockade

Als Zusatztherapie zur örtlichen Behandlung eignen sich Cremes, die einen Wirkstoff aus der Chilischote oder ein Narkosemittel enthalten und lokal die Schmerzempfänglichkeit herabsetzen. Sie sind besonders geeignet bei Schmerzen in einem genau umschriebenen Hautgebiet und sollten nicht länger als einige Wochen angewandt werden.

Sind starke Schmerzen auf einen oder wenige Nerven lokal begrenzt, stellt auch die Nervenblockade eine nebenwirkungsarme Methode dar, die Schmerzen auszuschalten. Dabei wird ein örtliches Betäubungsmittel direkt in oder um den Nerv gespritzt und dadurch die Schmerzwahrnehmung vollständig, meist für einige Stunden, ausgeschaltet.